Hamburg: Stadträder und Gentrifizierung alá Bio

(4. August 2013) Sieben Tage bin ich schon in Hamburg. Echt eine Wohlfühl-Stadt, da könnte ich mir vorstellen zu leben. Naja, wenn das Wetter so toll ist wie die letzte Woche.

Touri-Tipps

Die Sehenswürdigkeiten aus dem Reiseführer sind die meisten abgeklappert und für gut befunden. Besonders gefällt mir die Speicherstadt und empfehlen würde ich jedenfalls einen Besuch im Hamburg-Museum und eine Schifffahrt auf der Elbe nach Övelgönne, Finkenwerder und Blankenese, die übrigens netterweise mit dem normalen Tickets der öffentlichen Verkehrsmittel möglich ist. Schiffe, Schiffe, Schiffe!

Ein vorbildliches Stadtradsystem

Richtig cool ist das Fahrradsystem in Hamburg. Beim Stadtrad einfach anmelden via Website und dann gibt es gut 100 Stellplätzen supereinfach Fahrräder zum Ausleihen. Das Anmelden kostet 5 € (die dann verfahren werden können) und das Fahren ist für 30 Minuten kostenlos. Das führt dazu, dass die Leute die Fahrräder relativ rasch wieder abstellen und so fast immer welche verfügbar sind. Mittels einer App lässt sich nachschauen, ob wirklich am nächsten Stellplatz Fahrräder verfügbar sind.

Das System ist ideal für Tourist_innen wie Bewohner_innen von Hamburg. Probiert, für sehr gut befunden und für Linz auch gewünscht!

Gentrifizierung hautnah

Dass in so einem neuen Stadtteil wie der Hafencity nur die Reichen wohnen, wundert sowieso keine_n. Unsere Ferienwohnung ist in Ottensen, einem Teil von Altona – und so hautnah und anschaulich habe ich die Ambivalenz der Gentrifizierung (Wikipedia) noch nie erlebt. Hier fühle ich mich wohl: lauter nette, kreative Läden, ein Biosupermarkt nach dem anderen und sehr gute und relativ günstige Lokale, die ich vom Stil her in Linz mit dem Wirt am Graben, den donauwirtinnen, der Alten Welt oder dem Gelben Krokodil vergleichen würde. Wer Eis mit Bio-Milch will findet eine reiche Auswahl und Foursquare überschlägt sich mit Tipps für weitere angesagte Locations. Noch trifft frau auf der Strasse einige Migrant_innen, aber die meisten Leute sind zwischen 25 und 40 und nicht wenige tragen auch die Kleider aus den Fair-Trade-Läden im Viertel. Schöne Wohnungen gäbe es hier: Balkone, Grünflächen, gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr, Nahversorgung gleich ums Eck. Nennen sich zum Beispiel Fette Höfe.

Perfekt? Mitnichten. Es ist so was von offensichtlich, was da passiert: Das Viertel wird aufgewertet und für die ursprünglichen Bewohner_innen ist kein Platz mehr. Sie sind genötigt sukzessive wegzuziehen, dort hin wo es günstiger wohnen ist.

Was bleibt ist die Ambivalenz. Hier kann ich es gut noch 3 weitere Tage aushalten bis die Reise weitergeht, so viele Nettigkeiten sind zu entdecken und meine Wünsche nach einen sozial- und umweltverträglichen Konsum sind ohne irgendwelche Umstände umsetzbar. Aber wünschen tue ich mir solche Prozesse nicht. In klein kennen wir das ja auch aus Linz: Alt-Urfahr und neuerdings wohl auch das Neustadtviertel seit dem Neubau des Musiktheaters.

Heute war Ausrast- und damit Internetsurf-Tag und da habe ich entdeckt, dass es in Hamburg auch Menschen gibt, die sich wehren. Zur Internationalen Gartenschau und Internationalen Bauausstellung gibt es eine Bewegung gegen die Gentrifizierung „über der Elbe“ im Stadtteil Wilhelmsburg. Die Lektüre hat mir die Lust dort hin zu wollen als Touristin ziemlich verleidet.

Es gibt auch noch andere schöne Dinge zu entdecken!
Wer Pics gucken mag, schaut auf Flickr.

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