Westring-“Spatenstich“-Party: 500 Euro für ein Paar Würstl 

5. Juli 2015. Fototermin am Linzer Hauptplatz. Eine Männerriege schaufelt im extra auf der Bühne aufgebauten Sandkasten. Dabei sind Vizekanzler Mitterlehner, Landeshauptmann Pühringer, Bürgermeister Luger und der scheidende Verkehrslandesrat Hiesl. Manche munkeln die Asfinag hätte letzterem dieses Event zum Abschied geschenkt.  Alle Männer haben an diesem heißen Sommertag das Sakko abgelegt, die Krawatten sind aber ordentlich gebunden. Einheitslook. Schließlich stehen ja Landtags- und Gemeinderats-Wahlkampf an und es gilt Macht und Schaffenskraft zu symbolisieren und ins Bild zu setzen.

Das Bild der männlichen Dynamik kommt ins Wanken, wenn sich der Blick wendet. Ganze 500 Menschen haben sich die mittels Flugblatt an einem Haushalt beworbenen Gratiswürstl mit Bier geholt. Die Bankreihen am Hauptplatz sind gähnend leer, die große Bühne wirkt selten verloren. Was passiert nun mit all der Zubetonierer-Macht, wenn ihr niemand huldigt?

Die staatliche Asfinag hat das Spektakel bezahlt – den angeblichen Spatenstich für die Autobahn mitten durch Linz, den Westring.  Baugenehmigung gab es zu diesem Zeitpunkt keine, aber das ist egal, denn wenn die illustre Männerriege der ÖVP- und SPÖ-Politiker auftritt, dann wird betoniert.  Es gilt den Weg freizuschaufeln für noch mehr Platz für Autos und LKWs.

252.425,63 Euro hat das Event gekostet, haben nun die Grünen durch eine parlamentarische Anfrage herausgefunden.  Das ist in etwa soviel wie die Stadt Linz im Jahr für den Radverkehr ausgibt. Ein/e Krankenpfleger_in muss für soviel Bruttoeinkommen mehr als sieben Jahre arbeiten. Die Rechnung zeigt auch: 500 Euro für jeden Gast für ein paar Würstl – und die waren vermutlich nicht mal Bio. Braucht es auch nicht, weil der Ausbau der europäischen Transitschneisen für die LKWs noch bessere Transportbedingungen für die Stärkeren am Markt bringen wird. Die wenigen Passant_innen in den Innenstadt schütteln den Kopf über die Szenerie. Wofür das alles? Aja, Wahlkampf, eh schon wissen.

5. Juli 2015. Es ist wirklich heiß. Einer der heißesten Tage im Jahr. Obwohl das Westring-“Spatenstich“-Event erst Tage vorher bekannt geworden ist, haben sich gut 60 Menschen, jung wie alt, am Taubenmarkt versammelt und protestieren lautstark und frohgemut gegen den Westring und für eine umwelt- und menschenfreundliche Verkehrswende. Sogar Vizekanzler Mitterlehner schaut vorbei am Ort des Protestes. Da ist ja auch mehr Action als am Hauptplatz 100 Meter weiter.


Veröffentlicht in der Zeitschrift der Solidarwerkstatt, Sommer 2016

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