Soziale Selektion an den Unis

Sozialer Aufstieg via Bildung ist in Österreich ein leeres Versprechen. In nur wenigen westlichen Industrieländern hat die sozioökonomische und kulturelle Herkunft einen so großen Einfluß auf den Bildungsweg wie in Österreich. 

I. Eine Statistik der Universität Wien zeigt, dass heute sieben Prozent der Studierenden einen Vater mit höchstens Pflichtschulabschluss haben.  Vor 150 Jahren stammten neun Prozent aus der Arbeiter_innenschicht. 29 Prozent der inländischen Studierenden kommen aus Akademiker_innenfamilien, im Jahr 1859/60 waren 34 Prozent Kinder von „Gebildeten“.

II. Nachweisbar haben – wie eine Studie der AK Wien belegt – die hochschulpolitischen Entwicklungen seit 2000/2001zu einer strukturellen Veränderung der Zusammensetzung der Studierenden gesorgt.  Aufnahmeverfahren und Zugangsbeschränkungen haben die sozial selektierenden Mechanismen verschärft. „Studiengebühren, Zulassungsbeschränkungen, Aufnahmetests schrecken den Medizinersohn aus Wien-Döbling wohl weniger ab, als die Tochter einer türkischen Putzfrau aus dem ländlichen Raum“. Die Zahl der Studienbeginner_innen in Publizistik- und Kommunikationswissenschaften ist seit der Ankündigung der Aufnahmeverfahren um 63 Prozent zurückgegangen.

III. An der Johannes Kepler Universität Linz (JKU) liegt der Anteil an berufstätigen Studierenden bei 74 Prozent, nochmals um 10 Prozentpunkte über dem ohnehin schon hohen Österreichschnitt. 30 Stunden wöchentlich sind die Studierenden im Schnitt berufstätig.  Die JKU hält die Schlusslicht-Position bei den prüfungsaktiven Studierenden. Nur 44 Prozent erreichen demnach an der JKU die geforderten 16 ECTS im Jahr, um als „prüfungsaktiv“ zu gelten.

IV.  An der Sigmund Freud Privatuniversität kostet das Bachelor Studium Psychologie € 5.370.- pro Semester.  Für das Studium der Humanmedizin sind an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität € 13.900.- pro Semester zu bezahlen.

Quellen:

http://emedien.arbeiterkammer.at/viewer/image/AC11860598/1/
http://wien.orf.at/news/stories/2717752/
http://arbeitenundstudieren.at/2015/02/13/jku-fuehrend-bei-erwerbstaetigen-schlusslicht-bei-pruefungsaktiven-studierenden/


Veröffentlicht in der Zeitschrift der Solidarwerkstatt, Frühjahr 2015

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