Scheitern lernen

Ich habe heute meine Diplomprüfung der Theologie nicht geschafft. Naja, klar kann ich sagen, dass ich 2/3 (Pastoraltheologie und Diplomarbeit) hin gekriegt habe, aber das schwierige und umfangreiche Fach Moraltheologie muss ich noch vorm Sommer noch einmal machen.

Natürlich mache ich da Ursachenforschung: Tagesverfassung; Glück oder eben Pech bei den Fragen; ein durcheinander geratener Zeitplan beim Lernen (weil ich Ende Februar fast zwei Wochen krank war); ansich schlechte Work-Studium-Balance; die Aufregung gestern wegen unserem neuen Papst Franziskus … whatever: Ich habe es nicht geschafft und vermutlich hat das eine Fülle von Ursachen.

Tröstlich mag auch irgendwie sein, dass ich nicht die einzige bin, die in der Moraltheologie durchgefallen ist. Tröstlich heute waren aber vor allem die vielen liebevollen Rückmeldungen meiner Studienolleg_innen vor Ort und genauso auf Twitter und Facebook. Riesengrosses Danke @all!

Theologie-Studieren war bisher für mich immer ein Weg aufwärts und vorwärts. Ich liebe dieses Studium und würde es wirklich jeder und jedem aus ganzem Herzen empfehlen. Die Theologie hat mir nicht nur interlektuell, sondern auch ganz persönlich ganz neue Welten eröffnet, die ich auf keinen Fall mehr missen möchte. Im Studium war ich bisher ganz gut, hatte doch meist recht gute Noten und nie ist mir die Freude am Studium abhanden gekommen, auch wenn ab und an was dabei war, was gerade nicht so spannend war. Im Studium habe ich das theologische Fragen gelernt und den Dingen auf den Grund zu gehen – was vielleicht als Grundhaltung viel wichtiger ist als das immer exakte Antworten-Bereithaben. Ich glaube auch, dass ich zu Recht sagen kann, dass ich eine echt gute Diplomarbeit geschrieben habe, auch wenn dieses Projekt etwas länger gedauert hat als üblich.

Nun stehe ich vor einer Kontrasterfahrung – und das ausgerechnet am Schluss. Ich habe heute auch gehört „Das hätte ich mir von Dir nicht erwartet“. Und irgendwie trifft das ja auch, was ich mir von mir nicht erwartet hätte.

So ist es wohl an der Zeit nicht nur die Moraltheologie für den nächsten Prüfungstermin besser zu lernen, sondern mich auch die Erfahrung des Scheiterns einzuspüren – genau dort, wo ich es bisher anders erfahren habe als stetes selbstbewusstes Vorwärtsgehen. Ich will nun nicht sagen, dass ich noch nie wo gescheitert wäre (wer nicht?), aber neu ist für mich, dass mir das bei etwas passiert, was so sehr mit meinem eigenen ganz persönlichem Selbstverständnis verkoppelt ist wie das Theologie-Studium. Mal sehen was aus dieser neuen Erfahrung wird. Vielleicht gehört genau das noch dazu, um manche Euphorie ins rechte Licht zu rücken. Naja, das ist schwacher Trost: Ich bin schon traurig.

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