„Die Wohnung ist zu teuer für eine Wohnbeihilfe“

Wohnung am freien Markt zu suchen ist kein einfaches Unterfangen. Wohnraum ist längst zum Spekulationsobjekt geworden, gebaut werden vor allem Luxusimmobilien und nur Wien verwendet die Mittel aus dem Wohnbauförderungsbeitrag zweckgebunden für sozialen Wohnbau.

Wer nicht schon lange bei Genossenschaften gemeldet ist und aufgrund persönlicher Umstände dringend eine Wohnung braucht, kommt kaum an ImmobilienmaklerInnen vorbei. Es gibt zwar schon lange, die Forderung, dass deren Provision nur die AuftragsgeberInnen, die VermieterInnen, zahlen – aber umgesetzt ist davon nichts. Also: Suchen, Mailen, Telefonieren, Wohnungen anschauen, ausrechnen, was da monatlich rauskommt. Uiii, das ist viel, denn es kommen ja nicht nur Betriebskosten, sondern auch Strom und Heizung zur Miete dazu. Und was für die Maklerprovision und die Kaution am Anfang drauf geht ist auch nicht wenig. Tja, und ein Bett, ein Tisch und ein Bücherregal wäre ja irgendwie auch kein Luxus.

Ich habe vor kurzem in Linz Wohnung gesucht. Sehr dringend. Als Single ohne Auto, also mit dem Wunsch, dass die Wohnung halbwegs zentral in Linz gelegen ist, um meine Alltagswege gut mit dem Fahrrad erledigen zu können. Innerhalb von vier Wochen habe ich sicher an die 20 Wohnungen besichtigt. Und mich gefragt, wie Menschen, die kein „Mag.a“ vor dem Namen haben überhaupt zu Besichtungsterminen kommen, denn meine Erfahrung hat gezeigt, es geht viel leichter damit. Ich habe Wohnungen gesehen, wo ich, kaum an der Schwelle, wieder umgedreht habe: Fenster raus auf die vielbefahrene Humboldt- oder Goethestraße. Das halte ich nicht aus und im übrigen ist ständiger Lärm gesundheitsgefährdend. Bei den Wohnungen daneben – Fenster in die gleiche Richtung – standen Kinderwägen vor der Tür.

Schlußendlich habe ich eine Wohnung gefunden. Ich zahle € 409.- für meine 33 m², dazu kommt Strom und Gas. Die Wohnung ist alt, hat Gebrauchsspuren, aber sie ist nicht laut und hat für mich persönlich einen gewissen Charme. Da mein derzeitiges Einkommen weit unter € 951,20 liegt – der Grenze für Wohnbeihilfe in Oberösterreich – möchte der/die unbedarfte Leser_in nun meinen, ich bekomme Wohnbeihilfe. „Mit der Wohnbeihilfe soll insbesondere Menschen mit niedrigen Einkommen,kinderreichen Familien, Studierenden und Lehrlingen, Alleinverdienerinnen und Alleinverdienern sowie Pensionistinnen und Pensionisten ein leistbares Wohnen ermöglicht werden“ heisst es auf der Homepage des Landes OÖ. Das ist schön. Aber meine Wohnung ist zu teuer, denn „der anrechenbare Wohnungsaufwand (Hauptmietzins inkl. Mwst.) darf pro m² nicht höher als 7,00 Euro sein“.


Veröffentlicht in der Zeitschrift der Solidarwerkstatt, Sommer 2016

MerkenMerken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.